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Genmanipulation am Menschen ist ein kontroverses Thema. Seit jeher versucht der Mensch, mit Hilfe von Zauberei und Magie, sich selbst und andere zu verändern. Schöner, stärker, intelligenter war und ist das Ziel. In den letzten Jahren wurden massive Fortschritte gemacht und seit den ersten Versuchen, Veränderung durch radioaktive Bestrahlung herbei zu führen, bis hin zur heutigen CRISPR/Cas9 Technik vergingen weniger als 70 Jahre. Spätestens 2019, als zwei vom Chinesischen Wissenschaftler He Jiankui genmanipulierte Babies zur Welt kamen, ist das Thema im Mainstream angekommen. Nun muss sich die Frage gestellt werden ob und wie weit der Mensch verändert werden darf. Neue Regelungen müssen eingeführt werden um die Würde des Menschen zu erhalten. Im oben genannten Fall löste die Zeugung von Lulu und Nana, der beiden Kinder, weltweite Empörung in der wissenschaftlichen Community aus. In diesem Papier stellen sich die Autoren die Frage, ob es ethisch vertretbar ist, menschliche Gene zu manipulieren und ob es nicht sogar eine Pflicht ist, Krankheiten auszulöschen. Welche Verpflichtungen ergeben sich in Hinblick auf die Geschichte der pseudowissenschaftlichen Eugenik? Von den ersten Versuchen über die verschiedenen Techniken bis zur heutigen CRISPR Gen-Schere betrachten die Autoren die Entwicklungen und suchen Kontakt zu der Generation, die am wahrscheinlichsten mit dieser neuen Entwicklung in Berührung kommen wird. Die Autoren erhoben in einer Umfrage, mit 38 mehrheitlich un

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Was ist ein Designer Baby?

Bei Designer Babys wurde Erbgut ausgewählt oder verändert, um ein bestimmtes Gen einzuschließen oder mit einer Krankheit verbundene Gene zu entfernen. Bei diesem Prozess werden in der Regel menschliche Embryonen analysiert, um mit Krankheiten verbundene Gene zu identifizieren und Embryonen mit der gewünschten genetischen Ausstattung ausgewählt (genetische Präimplantationsdiagnose). Andere potenzielle Methoden, mit denen die genetischen Informationen eines Babys geändert werden können, umfassen die direkte Bearbeitung des Genoms - des genetischen Codes einer Person - vor der Geburt. Dieser Prozess wird nicht routinemäßig durchgeführt, und seit 2019 ist nur ein Versuch solcher Art bekannt. Genetisch veränderte Embryonen können erreicht werden, indem das gewünschte genetische Material in den Embryo selbst oder in die Spermien- und / oder Eizellen der Eltern eingeführt wird - entweder indem die gewünschten Gene direkt in die Zelle abgegeben werden oder mithilfe von Gentechnologie. Dieser Prozess ist als Keimbahn-Engineering bekannt. Die Bearbeitung von Embryonen auf diese Weise bedeutet, dass die genetischen Veränderungen auf zukünftige Generationen übertragen werden können.


Eugenik

Eugenik oder Eugenetik, bezeichnet die, heute als unethisch gesehene, Anwendung theoretischer Konzepte bzw. der Erkenntnisse der Humangenetik auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik bzw. den Gen-Pool einer Population im 19.-20. Jhdt. Sie hatten das Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern (positive Eugenik) und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern (negative Eugenik). Diese Untersuchungen wurden von Vertretern ethnischer Trennung unternommen und waren Teil rassistischer Überlegungen zur weißen Überlegenheit. Die diese Positionen spiegeln in keinem Fall jene der Autoren dieser Seminararbeit wieder. Unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Verbrechen an der Menschlichkeit gaben viele Politiker und Wissenschaftler die Ideen der Eugenik auf. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde 1948 von den Vereinten Nationen unterzeichnet und enthält den Satz: „Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen.“ 1978 erklärte die UNESCO die fundamentale Gleichheit aller Menschen zum Ideal. In der Charta der Grundrechte der Europäischen Union sowie in der geplanten Verfassung der Europäischen Union sind Zwangssterilisationen, eugenische Maßnahmen etc. verboten. Dennoch stimmte das Europäische Parlament einem Antrag zu, in dem seltene Krankheiten auch durch die Auswahl von gesunden Embryos vor der Implantation vermieden werden sollten.


Lulu und Nana

Anscheinend hatte der Wissenschaftler He Jiankui in der südchinesischen Stadt Shenzhen keine Genehmigung für sein Vorhaben bei den Behörden eingeholt. Die städtische Kommission für Familienplanung und Gesundheit sei nicht informiert worden, obwohl sie zunächst das Projekt hätte ethisch bewerten müssen. He Jiankuis Universität wusste anscheinend nichts von den Versuchen. Die an Embryonen vorgenommene Manipulation mit dem noch sehr jungen Verfahren CRISPR/Cas9 sollte die Kinder resistent gegen HIV machen. Eine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Eingriff gibt es nicht. Nach dem Eintrag in einem chinesischen Register brachte das chinesische Team kinderlose Paare aus gesunder Mutter und HIV-infiziertem Vater dazu, bei den Versuchen mitzumachen. Mittels künstlicher Befruchtung wurden zahlreiche Embryos geschaffen, deren Erbgut verändert wurde. Laut He Jiankui wurden keine Gene verändert, lediglich die Immunität gegen HIV “ermöglicht”. In seinem fünfminütigen Video-Statement gibt er bekannt, dass er keinerlei Nachteile an dieser Aktion sieht und sich für nichts verantworten muss - er habe den Kindern ein “besseres” Leben ermöglicht.


Ethischer Aspekt:

„Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche" sagt Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien solche Ansätze aufs Schärfste zu kritisieren. Die Grundlagenforschung zur Genschere CRISPR/Cas9 sei weit entfernt vom Einsatz beim Menschen. Auch von chinesischen Forschern kam massive Kritik: "Direkte Versuche am Menschen können nur als verrückt beschrieben werden", hieß es in einem Schreiben, das 122 Forscher unterzeichneten.


Das erste durch PID geborene Baby

In Minneapolis kam im August 2000 ein in der Retorte gezeugter Junge namens Adam zur Welt. Das Elternpaar Nash hatte bis dahin auf ein zweites Kind verzichtet, weil die erstgeborene Tochter Molly mit einer sehr seltenen und perspektivisch tödlichen Erbkrankheit (Fanconi-Anämie) zur Welt gekommen war und die Eltern dieses Risiko nicht erneut eingehen wollten. Die Ärzte machten das Paar auf die Möglichkeit der künstlichen Zeugung und eines Embryonen-Gentests – die umstrittene und in Deutschland bislang noch verbotene Präimplantationsdiagnostik (PID) – aufmerksam. Sie könnten nicht nur ein gesundes Kind bekommen, sondern dieses auch als möglichen Knochenmarkspender für die Tochter Molly heranziehen. Zwei der fünfzehn verfügbaren Embryonen galten als transplantationsmedizinisch und genetisch „geeignet“; einer davon wurde ausgewählt, in die Gebärmutter von Lisa Nash eingesetzt und führte schließlich zur Schwangerschaft.

In Russland gelten die CRISPR/Cas9 und andere Techniken in der Landwirtschaft zur Entwicklung neuer Züchtungen von Nahrungspflanzen und Nutztieren als erlaubt. Bis 2027 sollen insgesamt 30 genetisch verbesserte Organismen entwickelt und kultiviert werden. Als Beispiele gelten krankheitsresistente Sorten von Gerste, Kartoffeln, Weizen und Zuckerrüben. In den USA hingegen finden sich CRISPR-Lebensmittel bereits im Handel. Großbritannien hat 2016 erstmals die Genmanipulation an Embryonen bis zum Alter von sieben Tagen zu Forschungszwecken erlaubt. Die veränderten Zellen dürfen jedoch auch weiterhin nicht in Frauen eingepflanzt werden - die Entscheidung der Behörde heizte die ethische Debatte über Genmanipulationen am Menschen jedoch weiter an.



Ist Genmanipulation an Embryonen ethisch vertretbar?

Zum ethischen Aspekt wurde eine Umfrage mit 38 Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts durchgeführt. Knappe 90 Prozent der Befragten sind zwischen 19 und 25 Jahre alt, 10,5 Prozent über 41 Jahre. Mehr als drei Viertel der Umfrageteilnehmer sind weiblich. Der überwiegende Teil hat noch keine Kinder, möchte grundsätzlich aber welche haben. Die meisten interessieren und beschäftigen sich bereits mit dem Thema Designer Babies. 70 Prozent der Befragten würden die Gene ihres Babys nicht verändern wollen - die Frage nach der Eigenschaft, die sie aber am ehesten ändern würden, ergibt das Ergebnis Gesundheit. Das Folgende hat die Autoren jedoch sehr überrascht: Es wurde erfragt ob die Teilnehmer der Umfrage es als ethisch vertretbar empfinden, die Gene eines Babys zu verändern - die Menge der Antworten Ja und Nein ist fast ausgeglichen. Dass sich unsere Gesellschaft durch die Einführung solcher Methoden verändern wird, da sind sich alle einig. Die Begründungen sind unterschiedlich: „Jemand der nicht mehr perfekt ist wir es schwerer haben”, „Elite Babies”, „Menschen werden Robotern ähnlicher”. Das Thema der Genmanipulation selbst bereitet ebenfalls Bauchschmerzen: „Die Konsequenzen sind nicht vorhersehbar”, „Es ist einfach irre”, „Falscher Umgang damit kann gefährlich werden”. Einig sind sich die Teilnehmer, dass solche Eingriffe in Österreich in näherer Zukunft nicht zugelassen werden.


Statement von Prof. Dr. techn. Karl Friehs

“Meiner Meinung nach ist die Entwicklung nicht zu stoppen. Die Ziele sind vorerst medizinisch. Die CRISPR Technik ist noch nicht präzise genug. Es wird also einige Fehleingriffe geben, mit noch nicht absehbaren Konsequenzen für mögliche überlebende Individuen. Das wird die Technik verbessern. Weitere Ziele sind die Überwindung der evolutionär begründeten Lebensaltergrenze von 120 Jahren auf 120+x und die gezielte Stärkung oder Abschwächung von menschlichen Eigenschaften, wobei hier besonders viel Lehrgeld bezahlt werden wird. Die Wohlhabenden werden von den neuen Techniken mehr profitieren. Das ist jetzt schon Stand der Dinge in der Medizin und wird sich nicht ändern. Ethische Appelle haben noch nie etwas gebracht und werden auch in Zukunft nichts bewirken.” Quelle: E-mail Verkehr, Dr. Karl Stocker, Dr. Karl Friehs, Dr Friehs unterrichtet Fermentationstechnik an der technischen Fakultät der Universität Bielefeld.


Fazit

Aufgrund fehlender Expertise können die Autoren keine Conclusio für oder wider die Genmanipulation mittels CRISPR/Cas9 treffen. Dafür müsste eine große Zahl verschiedener Faktoren beachtet werden, für deren Ermittlung die limitierte Zeit im Fach Research and Knowledge nicht ausreichend gegeben war. Dennoch kann man sagen, dass die Nutzung von Genommanipulation ein kontroverses Thema ist und sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Beispielsweise könnte eine obligatorische „Impfung” gegen Krankheiten wie HIV, Masern oder FSME durch eine Veränderung des genetischen Codes erforscht werden. Andererseits müssen ethische Aspekte wie finanzielle Mittel von potenziellen Klienten beachtet und rassistisch-eugenische Tendenzen von Anfang an gesetzlich unterbunden werden.

Die niedere Zugänglichkeitsschwelle und die billigen Preise der Technologie befeuern diese Entwicklungen zusätzlich. Die Autoren sind der Meinung, dass ein öffentlicher Diskurs über die Verwendung und Regelung der CRISPR/Cas9 Technik dringend notwendig ist um nicht plötzlich von aufkommenden sozialen Problemen überrascht zu werden. Aus diesem Grund hofft das Research-Team, Aufmerksamkeit auf dieses kontroverse Thema zu lenken.

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TEAM



Thomas Jeindl

Illustration
Animation


Christina Danner

Webgestaltung
Content
Forschung


Luka Sulzer

Illustration
Grafik Design
Forschung

RESEARCH

The ethical dilemma of designer babies | Paul Knoepfler
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Gentechnik Wird Alles Für Immer Verändern - CRISPR
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